RAN Newsletter 01/2025 „Alles, was man in Heidelberg sieht, erinnert einen daran, wie wichtig wissenschaftliches Streben ist.“
Dr. Ephrem Tekle Yacob, Bildungswissenschaften
Direktor für Forschung und Publikation an der Kotebe University of Education in Addis Abeba/Äthiopien
2015 bis 2018 Doktorand am Institut für Bildungswissenschaften in Heidelberg, HAI Mentor
Wann und in welcher Position haben Sie sich an der Universität Heidelberg aufgehalten?
Ich war von 2015 bis 2018 als Doktorand am Institut für Bildungswissenschaften in Heidelberg.


Warum haben Sie sich für die Universität Heidelberg entschieden?
Der Name Heidelberg steht für Forschung und Wissenschaft. Heidelberg ist ein sehr schöner Ort, an dem sich Menschen aus der ganzen Welt begegnen und an dem multidisziplinäre und multikulturelle Forschung stattfindet. Alles, was man in Heidelberg sieht, erinnert einen daran, wie wichtig wissenschaftliches Streben ist. Daher sollte die Frage lauten: „Warum sollte ich mich nicht für die Universität Heidelberg entscheiden?“
Was haben Sie in Heidelberg gelernt? Welche Erfahrungen waren besonders wertvoll?
Mein Ziel war es, zu promovieren, was ich dank der sehr guten wissenschaftlichen Betreuung durch meine Doktormutter auch geschafft habe. Doch Heidelberg war für mich mehr als der Ort meiner Promotion. In Heidelberg wurde ich zu einem kulturell gebildeten Menschen, der sich von den vielen Studierenden aus aller Welt inspirieren ließ. Ich habe auch gelernt, wie sehr die Deutschen Effektivität und Effizienz schätzen. Darüber hinaus hat mich die deutsche Demokratie sehr beeindruckt. Ich hatte die Möglichkeit, viele Schulen zu besuchen und dabei zu erfahren, wie das Bildungssystem in Deutschland funktioniert und wie stark die Demokratie auch im Klassenzimmer gelebt wird. Eine weitere Lektion, die ich während meines Aufenthalts in Heidelberg gelernt habe, ist der Respekt vor der Natur: Ein Spaziergang am Neckar ist wie Musik hören, die die Seele inspiriert.
Was hat Ihnen in Heidelberg am besten gefallen? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?
Ich würde diese Frage gerne in zweierlei Hinsicht beantworten: bezogen auf die Universität und bezogen auf die Stadt. Die Universität ist nicht nur die älteste im deutschsprachigen Raum, sondern auch eine der führenden. Ich hatte die Gelegenheit, die verschiedenen Fakultäten der Universität kennenzulernen und mit Studierenden und Professoren aus unterschiedlichen Fachbereichen zu sprechen. Das alles lässt mich zu dem Schluss kommen, dass die Universität Heidelberg die Wissenschaft auf die nächste Stufe hebt. Die Stadt wiederum ist sehr schön und die Universität ist ein integrierter Bestanteil von ihr.
Ob ich einen Verbesserungsvorschlag habe? Ein Freund von mir, der in Finnland studiert hat, hat mir erzählt, dass jeder Studierende dort mit einer in der Stadt lebenden Familie vernetzt wird. Das habe ihm geholfen, die Kultur Finnlands besser zu verstehen.
Wie ging Ihre Karriere nach Ihrer Zeit in Heidelberg weiter?
Im Anschluss an meine Heidelberger Zeit bin mit großem Tatendrang in mein Land zurückgekehrt. Meine erste Aufgabe war die Arbeit als Berater für das damalige Ministerium für Wissenschaft und höhere Bildung von Äthiopien – eine Anstellung, die vom Zentrum für internationale Migration und Entwicklung ermöglicht wurde. Ich gehörte einem nationalen Studienteam an, das mit der Differenzierung des Hochschulsystems des Landes beauftragt war. Eine der Aufgaben bestand darin, die besten Praktiken in der ganzen Welt zu vergleichen. Dabei hatten wir natürlich auch die Gelegenheit, das deutsche Hochschulsystem zu studieren, und haben sogar eine Studienreise nach Deutschland unternommen.
In Anbetracht des Bedarfs in meinem Land waren wir insbesondere sehr von der Konzeption der deutschen Fachhochschulen beeindruckt. Die enge Verknüpfung der Fachhochschulen mit den Bedürfnissen der Industrie und die Art der Ausbildung ist erstaunlich. Unsere Arbeit wurde bei Springer unter dem Titel „Differentiating the Higher Education System of Ethiopia“ veröffentlicht.
Anschließend wechselte ich an die Kotebe University of Education. Ich habe dort verschiedene Funktionen innegehabt. Derzeit bin ich Direktor für Forschung und Veröffentlichung.
Wie beurteilen Sie das deutsche Wissenschaftssystem im Vergleich zu dem Ihres Heimatlandes oder zu dem anderer Länder, in denen Sie geforscht haben?
Das Wissenschaftssystem in Deutschland leistet einen großen Beitrag zur Förderung des theoretischen Verständnisses in verschiedenen Bereichen. Darüber hinaus gibt es ein deutliches Bemühen, das theoretische Wissen mit dem praktischen Verständnis zu verbinden. Die Wissenschaft in Deutschland ist voll von Erfolgen auf beiden Ebenen.
Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach der internationale Austausch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler?
Die Lektüre über die Bedeutung von internationalen Austauschen besagt, dass derartige Erfahrungen einen wichtigen Beitrag zur persönlichen und kulturellen Reife, zur akademischen und beruflichen Entwicklung sowie zur Vernetzung, zur Anpassungsfähigkeit usw. leisten. Ich würde sagen, dass ich all dies in Heidelberg erlebt habe.
Würden Sie Ihren Studierenden oder Kolleg:innen aus Ihrem wissenschaftlichen Netzwerk einen Forschungsaufenthalt an der Universität Heidelberg empfehlen?
Sicher! Heidelberg hat alle Qualitäten, die man sich von einer Universität wünscht.
Sie sind HAI-Mentor und als solcher unterstützen, ermutigen, inspirieren und helfen Sie Ratsuchenden. Warum engagieren Sie sich in diesem Bereich?
Ich habe das Gefühl, dass ich von meiner Zeit in Heidelberg sehr profitiert habe, und ich glaube fest daran, dass ich etwas zurückgeben muss. Darüber hinaus ist der Kontakt zu einem jungen Forscher Teil der beruflichen Entwicklung.