Russischer Abend Philosophenschiff

Russischer Abend: Philosophenschiff - Philosophenflugzeug: 100 Jahre später. Zur Geschichte und Soziologie der russischen Migration.

„Wir haben diese Leute ausgewiesen, da es keinen Anlass gab, sie zu erschießen, aber sie noch länger zu ertragen, war unmöglich.“ – Leo Trotzki

Russischerabendphilosphenschiff4                 Russischerabendphilosphenschiff1

 

Am Mittwochabend, den 26. Juni 2024 hat die Russische Abteilung am Institut für Übersetzen und Dolmetschen (IÜD) der Universität Heidelberg erneut einen „Russischen Abend“ im großen Konferenzsaal des IÜD unter der Federführung der Dolmetschdozentin Daria Shirokova organisiert und alle Interessenten dazu eingeladen. Gäste, Studierende und Dozenten haben gemeinsam den drei Impulsvorträgen gelauscht, die von den Studentinnen des IÜD live in der Kabine verdolmetscht wurden.

 

Russischerabendphilosophenschiffgleiser Russischerabendphilosophenschiffprogramm3 Russischerabendphilosophenschiff2

 

Zwei Unterhosen, ein Mantel, kein Schmuck, kein Geld…

Olga Gleiser stellte beindruckend dar, wie die russischen Intellektuellen des frühen 20. Jahrhunderts das Land verlassen mussten. Unter Ihnen auch der Lieblingsphilosoph Putins Iljin. Für sie ging es Widerwillen innerhalb weniger Tage weg auf ein Schiff und dann nach Stettin, Deutschland. Hab und Gut, sowie ihre Heimat mussten diese Menschen verlassen.

 

Russischerabendmaydell2 Russischerabendmaydell3 Russischerabendmaydell5

 

Das Chaos im Rücken und den Blick auf eine ungewisse Zukunft gerichtet

Renata von Maydell hat für die Zuhörer ein Bild des Russlands des frühen 20. Jahrhunderts gemalt. Unruhen, Proteste, die Ermordung der Zarenfamilie, Enteignung, all diese Ereignisse sorgten für Chaos in Russland. Der Aufbau der Sowjetunion forderte vor allem auch eins zu diesen Zeiten: Einheitliches Denken und Handeln um jeden Preis. Die russische Intelligenz, die Musiker und Juristen, Dichter und Philosophen hatten in so einer Gesellschaft keinen Platz, so schlussfolgerte die Regierung und stellte Listen zusammen. Listen mit Namen von Menschen, die das Land verlassen sollten. Der Kontrast ist auffällig: Weg von der altbekannten Heimat, raus aus dem Chaos, auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft auf dem ruhigen Meer.

 

Russischerabendphilophenschiff2 Russischerabendkuleshova

 

„Anstelle des „Philosophenschiffs“ hebt das „Journalistenflugzeug“ ab. Das ist natürlich eine Metapher, dennoch verlassen heute einige Vertreter dieser und anderer Berufsgruppen Russland“ – Dmitrij Muratow, Redakteur der russischen „Novaja Gazeta“ und Friedensnobelpreisträger 2021

Im letzten Impulsvortrag des Abends spannte Anna Kuleshova den Bogen zwischen dem „Philosophenschiff“ und dem „Journalistenflugzeug“. Sie selbst führte anonym Interviews mit Professoren und Doktoren und schilderte deren Lage. Selbstzensur, Sorge um die eigene Karriere und Existenz, davor bespitzelt und verpfiffen zu werden, ein Gefühl der Abschottung durch die internationale Wissenschaftsgemeinde sind die Realität dieser Menschen. Einige haben Russland verlassen, aber sind aufgrund mangelnder Unterstützung im Ausland wieder zurückgekehrt. Keine Einladungen auf internationale Kongresse, gar Lehrstühle für russische Gelehrte im Ausland. Ein Leben unter Zensur in Russland oder wirtschaftliche und gesellschaftliche Schwierigkeiten im Ausland?

 

Russischerabendphilosphenschiff3            Russischerabendphilosphenschiff5

 

Die tiefgehenden Vorträge haben bei der Podiumsdiskussion und auch unter den Teilnehmern während der Pause und auch nach dem Programm zu spannenden Gesprächen geführt.

Die Ausstellung „Philosophenschiff“ ist in den nächsten Monaten im großen Konferenzsaal (KS II) des IÜD in Heidelberg (Plöck 57a) zu sehen.

Masterstudiengang "Konferenzdolmetschen"

Zum Gelingen des „Russischen Abends“ haben maßgeblich die Studierenden des Masterstudiengangs Konferenzdolmetschen am IÜD beigetragen. Im Laufe von diesem mehr als dreistündigen Abend verdolmetschen sie die Vorträge und die Podiumsdiskussion Deutsch-Russisch simultan in den professionellen Kabinen mit Top-Ausstattung. Beeindruckend war auch ihre Leistung bei den konsekutiven Verdolmetschungen der Rednervorstellungen – das Notieren und die konsekutive Verdolmetschung ganzer Reden mit der Dauer bis zu 7 Minuten haben die angehenden KonferenzdolmetscherInnen mit Bravour gemeistert. So konnten sie Ihre Fähigkeiten, die

sie im Laufe von 4 Semestern im Masterstudiengang Konferenzdolmetschen erworben haben, vor dem großen Publikum unter Beweis stellen.

Die Russische Abteilung wird die Tradition der „Russischen Abende“ in den nächsten Semestern fortsetzen. Auf diese Weise haben alle Interessenten die Möglichkeit, brandaktuelle Informationen aus dem und über das heutige Russland sowie andere postsowjetsiche Länder zu erhalten und mit ExpertInnen ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus bieten die „Russischen Abende“ eine wertvolle Ergänzung zum intensiven Studienprogramm der Studierenden im Master Konferenzdolmetschen mit der A-, B- oder C-Sprache Russisch an. Dies ist eine gute Gelegenheit, die Berufsluft zu schnuppern und in einem echten Konferenzsetting zu arbeiten.

Sich jetzt für das Studium bewerben!

Wollen Sie mehr über Konferenzdolmetschen mit Russisch in Heidelberg erfahren oder bei uns studieren? Dann setzen Sie sich mit Frau Daria Shirokova (Fachstudienberatung) in Verbindung: daria.shirokova@iued.uni-heidelberg.de

Die Bewerbungsfrist für den Master Konferenzdolmetschen läuft noch bis zum 30. September!

Verantwortlich: Webmaster
Letzte Änderung: 18.07.2024
zum Seitenanfang/up